Türkises Wasser, so weit das Auge reicht, eine sanfte Briese, goldbrauner Sandstrand und trappelnde Hufe. Dazu strahlender Sonnenschein und glückliche Menschen mit ihren Herzenspferden. So war das Bild in meinem Kopf, als ich mir mein erstes großes Event ausgemalt habe. Dass mich das noch viele schlaflose Nächte kosten würde, hatte ich natürlich nicht gedacht. Aber würde ich es wieder tun? Auf jeden Fall!

Begonnen hat die Geschichte bereits Anfang des Jahres, als ich mir vornahm, mal ein etwas größeres Shooting auf die Beine zu stellen – fernab der heimischen Wiesen und Wälder an einer ganz besonderen Location und mit mehreren Pferden. Gesagt – getan. Es entstand das Foto-Event See(h)nsucht und zusammen mit meinen Helfern ging es an die Planung.

Wann, was, wie und vor allem: WO.
Eine mögliche Location war recht schnell gefunden und hat auch eigentlich viel Begeisterung in mir ausgelöst …
Wenn das Wort eigentlich nicht wäre … Denn mein Bauchgefühl hatte seine eigene Meinung dazu.
Eigentlich wäre es da wirklich toll gewesen, aber die Location hatte auch einige Mankos, welche berücksichtigt werden mussten:
  1. Es handelte sich um den Nordstrand. Für Besucher und Badegäste wirklich schön, aber wenn man den ganzen Tag bei strahlendem Sonnenschein fotografiert, so hat man dauernd Gegenlicht – nicht optimal.
  2. Die Besucher. Der Strand war ein reiner Badestrand. Man hätte es also nicht nur schwerer mit der Genehmigung, sondern hätte bei schönem Wetter auch ringsherum eine Menge Trubel und sicherlich nicht nur rücksichtsvolle Menschen.

Nachdem ich mich lange damit herumgeschlagen habe und auf keinen Nenner gekommen bin, ging also die Suche nach einer neuen Location los. Durch Zufall schickte mir eine liebe Freundin ein paar Bilder von ihrem Ausflug zu einem benachbarten See – türkises Wasser, blauer Himmel und ab vom Schuss. Genau so hatte ich mir das doch vorgestellt!

Eine Woche später saß ich bei eher mäßigem Wetter im Auto auf dem Weg nach Leipzig, um mir die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen. Zwar bin ich an einer ganz anderen Stelle am See gelandet, doch erwies sich das eher als Glücksgriff. Es gab einen Parkplatz mit genug Stellfläche für die Hänger, der Weg zum Wasser war geebnet und nicht allzu weit und man war abgeschieden genug, um keinen zu stören – es war perfekt!
Nachdem also die Location endlich stand, ging es nun darum, auch die Genehmigung zu erwirken. Nach unendlich vielen E-Mails und Telefonaten mit sehr vielen netten und hilfsbereiten Menschen, erreichte ich nun endlich die Zuständigen und erhielt das OK für mein Vorhaben. Nochmals herzlichen Dank für die tolle Möglichkeit!

So weit, so gut. Nachdem alle Teilnehmer versammelt, alle Fragen geklärt und alles bis ins kleinste Details durchorganisiert wurde, konnte es also losgehen. Alle hatten sich gefreut, alles war perfekt.

Der Tragödie erster Teil:

Alles – bis auf das Wetter. Knapp eine Woche vorher wurden uns für den Tag 3° Grad gemeldet, mit 95% Regenwahrscheinlichkeit und Schnee – im Mai. Wir wollten es nicht glauben, aber als sich auch die ganze Woche über nichts an der Aussicht änderte, verschwand der Optimismus langsam. Das ganze Hoffen und Beten und Teller-leer-essen half nichts, denn es kam, wie es kommen musste. Der Wetterbericht hielt stand und kurzerhand mussten wir alles absagen und vertagen. Sehr ärgerlich, aber ich war positiv gestimmt! Der neue Termin sollte eine Woche später stattfinden und das Wetter sollte diesmal auf unserer Seit sein. 14° Grad und mehrere Stunden Sonnenschein. Das entsprach schon eher unserer Vorstellung!


Der Tragödie zweiter Teil:
Ein neuer Termin stand also fest – leider nicht für alle von uns. 3 Tage vorher schrieb mir eine der Teilnehmerinnen, dass ihr Pferd lahmte und sie ihn so nicht teilnehmen lassen konnte. Als dann eine weitere Teilnehmerin aus persönlichen Gründen noch absagen musste, war das Trauerspiel komplett. Die ganze Organisation, das Bangen und Hoffen und ein Rückschlag nach dem nächsten. 1 Pferd zur Teilnahme blieb noch übrig. Lohnte es sich dann überhaupt?

Natürlich hätte ich das Shooting auch gern mit nur einem Teilnehmer durchgeführt, doch muss man eben auch manchmal realistisch denken. Die Anfahrt, die ganze Zeit für Auf- und Abbau, die erneute Genehmigung. Alles für eine knappe Stunde Shooting – so leid es mir tat, wir mussten es verschieben.

Wie oft habe ich danach den den Satz gehört: „Vielleicht soll es einfach nicht sein.“ Aber damit wollte ich mich einfach nicht zufrieden geben. Das konnte ich so nicht akzeptieren. Ich bin niemand, der so leicht aufgibt! Nach einer kurzen Verzweiflungsphase und einem riesen Eisbecher hieß es „Krönchen richten und weiter“. Da das Jahr voran geschritten und sich die Terminkalender aller ordentlich gefüllt hatten, war es nicht so leicht einen neuen Termin zu finden.

Das Grande Finale
Anfang August stand es dick im Kalender: 04. August, See-Shooting
Zwar waren auch hier wieder ein paar kleinere Hürden zu nehmen, doch fanden sich am Ende meine Teilnehmerinnen zusammen und es sah nach einem vielversprechenden Event aus. Nun hieß es Daumen drücken und hoffen, dass bis dahin nichts mehr schief ging oder sich jemand verletzte. Wie ihr euch sicher vorstellen könnt, haben wir alle den Wetterbericht mit Argusaugen beobachtet und obwohl der Samstag wechselhaftes Aprilwetter mit sich brachte, sollte der Sonntag ein angenehm warmer Sommertag werden. Und wir wurden für unsere Engelsgeduld wirklich mehr als belohnt. Der Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen war vielversprechend: Sonne, Sonne, Sonne und kein Wölkchen am Himmel.

Nachdem das Auto in aller Herrgottsfrühe beladen war, ging es für mich los. Knapp eine dreiviertel Stunde später war ich da und lud aus. Der Parkplatz menschenleer und meine Teilnehmer waren bereits unterwegs. Kaum, dass ein Großteil des Zauns am Strand war, fanden sich auch schon meine beiden Mädels ein – beides keine unbekannten Gesichter! Da freue ich mich natürlich immer umso mehr!

So ging mit allen Helfern und einer weiteren Fuhre Equipment zum Strand. Dort bauten wir schnell alles auf, während die Pferde sich ganz entspannt an die neue Umgebung und an das Wasser gewöhnen konnten. Dabei war die Konstellation meiner Models ein echter Glücksgriff und die Pferde verstanden sich auf Anhieb gut. So konnten später sogar noch ein paar gemeinsame Bilder entstehen und es war eine angenehme Atmosphäre.

Fotografiert wurde immer abwechselnd, sodass sowohl Pferde als auch Besitzer genügend Pausen bekamen und keiner sich die Beine in den Bauch stehen musste.

Und zum Schluss bleibt mir nichts anderes übrig, als zu sagen, dass es ein voller Erfolg war! Die Pferde hatten sichtlich Spaß und tollten mit ihren Menschen durchs Wasser. Auf Seiten der Besitzer waren nur strahlende Gesichter zu sehen und ein paar begeisterte Zaungäste gab es auch. Und das alles hat mich an diesem Tag zum wohl glücklichsten Menschlein überhaupt gemacht!

Natürlich war es bis dahin ein steiniger Weg und dass nicht alles reibungslos ablaufen würde, war mir auch bewusst – das wäre auch zu einfach gewesen. Aber die glücklichen Gesichter meiner Mädels und eine ganze Speicherkarte voll mit wunderschönen Motiven hat wirklich alles entschädigt!

Und weil es so schön war, sitze ich jetzt bereits an der Planung für See-Event 2.0 …

… aber diesmal bitte ohne all die Strapazen im Vorfeld. Danke.